Martin Scorsese trägt einen dunklen Anzug und gestikuliert.

Quelle: Black Forest Labs

Martin Scorsese nutzt KI für Storyboards und steigt bei Black Forest Labs ein

Der Regisseur von Goodfellas arbeitet künftig als Berater für Black Forest Labs. Für ihn ist KI kein Ersatz für Filmhandwerk, sondern ein Werkzeug, um Ideen schneller und präziser mit seinem Team zu teilen.

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Von Ahmet Iscitürk

03.06.2026 - 13:47 Uhr

Martin Scorsese gehört künftig zum Beraterkreis von Black Forest Labs. Das deutsche KI-Unternehmen mit Sitz in Freiburg entwickelt unter anderem die FLUX-Modelle zur Bildgenerierung und präsentierte die Zusammenarbeit mit einem Video aus Scorseses Büro in New York. Darin nutzt der Regisseur das System nicht, um einen Film zu generieren, sondern um eine Szene visuell vorzubereiten. Es geht also nicht um digitale Schauspieler, automatisierte Drehbücher oder den nächsten großen Angriff auf das Kino, auch wenn diese Debatte natürlich sofort mit im Raum steht. Bei Scorsese beginnt die Sache kleiner: mit Storyboards.  

Was ist Black Forest Labs?

Black Forest Labs ist ein deutsches KI-Unternehmen, das 2024 gegründet wurde und mit FLUX ein eigenes Modell zur Bildgenerierung entwickelt hat. Regisseure können damit Stimmungen, Räume, Kameraperspektiven oder Szenenideen schneller visualisieren.

Scorsese formuliert seine Haltung erstaunlich nüchtern. Kino sei ein junges Medium, gerade einmal rund 125 Jahre alt, deshalb müsse man offen dafür bleiben, wie es sich weiterentwickelt. Er verweist dabei auf eigene Erfahrungen mit Technik: Hugo (2011) nutzte 3D, The Irishman (2019) setzte auf digitale Verjüngung. Nun sieht er in KI ein weiteres Werkzeug, um das Bild, das er im Kopf hat, klarer an Produktionsdesign, Artdirection und Kamera weiterzugeben. Das ist eine wichtige Unterscheidung. Scorsese verkauft KI nicht als Ersatz für kreative Arbeit, sondern als Übersetzungshilfe zwischen Vision und Umsetzung. Genau dort liegt aber auch die Reibung. Denn sobald ein KI-System Bilder erzeugt, greift es zwangsläufig in einen Bereich ein, der bisher von Menschen gezeichnet, gebaut, gedacht oder wieder verworfen wurde.  

Im begleitenden Video spricht Scorsese auch über den berühmten Steadicam-Shot aus Goodfellas (1990), in dem Henry Hill durch das Copacabana geführt wird. Jede kleine Begegnung, jede Bewegung, jeder Übergang musste damals präzise geplant werden. Mit einem Werkzeug wie FLUX, sagt Scorsese sinngemäß, ließen sich solche Ideen schneller durchspielen. Das könne Produktionszeit sparen und auch die Crew entlasten. Der Punkt ist nachvollziehbar. Vorproduktion kostet Geld, Missverständnisse kosten noch mehr Geld, und nicht jeder Regisseur kann seine inneren Bilder so zeichnen, wie er sie sieht.

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Scorsese ist mit dieser Haltung nicht allein. James Cameron sitzt bereits im Board von Stability AI, Peter Jackson äußerte sich zuletzt ebenfalls offen gegenüber KI und verglich sie mit einem Spezialeffekt. Auf der anderen Seite stehen Filmemacher wie Guillermo del Toro, der generative KI deutlich ablehnt und Kunst nicht auf eine App reduziert sehen will. Genau diese Spannbreite macht Scorseses Schritt so spannend. Wenn irgendein Technik-Manager KI als Zukunft des Kinos verkauft, ist das erwartbar. Wenn Martin Scorsese, einer der wichtigsten Filmhistoriker und Filmhandwerker des modernen Kinos, ein solches Werkzeug öffentlich unterstützt, bekommt die Debatte ein anderes Gewicht.  

Interessant ist dabei weniger die übliche Panikfrage, ob KI jetzt das Kino übernimmt. Das tut sie nicht, zumindest nicht durch ein paar Storyboards in Scorseses Büro. Interessanter ist die Verschiebung im kreativen Prozess. Storyboards sind nicht nur technische Skizzen. Sie sind ein Denkraum. Dort entstehen Entscheidungen, dort werden Möglichkeiten aussortiert, dort beginnt ein Film, seine Form zu finden. Wenn KI diesen Raum schneller füllt, kann das helfen. Es kann aber auch dazu führen, dass der erste brauchbar aussehende Vorschlag zu früh zu viel Autorität bekommt. Scorsese dürfte erfahren genug sein, nicht in diese Falle zu tappen. Die spannendere Frage ist, ob Hollywood insgesamt diese Expertise besitzt.

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