Martin Scorsese trägt einen dunklen Anzug und gestikuliert.

Quelle: Black Forest Labs

Art Directors Guild attackiert Martin Scorsese wegen KI-Deal

Martin Scorsese berät das KI-Unternehmen Black Forest Labs. Die Art Directors Guild sieht darin keinen harmlosen Technikversuch, sondern einen Angriff auf genau jene Künstlerinnen und Künstler, die seit Jahrzehnten das Kino visuell mitprägen.

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Von Ahmet Iscitürk

10.06.2026 - 09:38 Uhr

Martin Scorsese hat in seiner Karriere viel für das Kino getan. Jetzt wirft ihm ausgerechnet eine der wichtigsten Kreativgewerkschaften Hollywoods vor, sich gegen jene Menschen zu stellen, die seine Bilder über Jahrzehnte mitgeformt haben. Die Art Directors Guild hat Scorseses Partnerschaft mit dem KI-Unternehmen Black Forest Labs scharf kritisiert und dem Regisseur vorgeworfen, den menschlichen Künstlerinnen und Künstlern den Rücken zu kehren.

Warum der Streit um KI im Art Department so wichtig ist

Das Art Department ist einer der zentralen Bereiche jeder Filmproduktion. Dort entstehen visuelle Konzepte, Sets, Räume, Requisiten, Grafiken, Farbwelten und oft auch die ersten Bilder, mit denen ein Film überhaupt greifbar wird. Production Designer, Art Directors, Illustratorinnen, Set Designer und Scenic Artists übersetzen ein Drehbuch in eine konkrete Welt. Der Konflikt dreht sich deshalb nicht nur um Technik. Er dreht sich um Zuständigkeit, Urheberschaft und kreative Visionen. Wer die ersten Bilder liefert, prägt oft den ganzen Film.

Auslöser ist ein Werbevideo von Black Forest Labs für das generative KI-Modell FLUX. Darin spricht Scorsese darüber, wie schwierig es sei, die Vision im eigenen Kopf an Cast und Crew zu vermitteln. Für ihn könne das KI-Tool helfen, visuelle Ideen schneller und klarer an Produktionsdesigner, Art Department und Kamera weiterzugeben. Genau an diesem Punkt setzt die Kritik der Gewerkschaft an. Was Scorsese als Hilfsmittel beschreibt, sieht die Art Directors Guild als Umgehung jener Berufe, die im Film seit Jahrzehnten genau diese Übersetzungsarbeit leisten.

In ihrer Erklärung nennt die Guild unter anderem Art Directors, Graphic Artists, Illustrators, Production Designers, Scenic Artists und Set Designers. Also nicht irgendwelche namenlosen Zahnräder im Hollywood-Apparat, sondern die Leute, die aus Ideen Räume, Texturen, Farben, Gegenstände, Stimmungen und am Ende glaubwürdige Filmwelten machen. Der Vorwurf lautet im Kern: Scorsese bewirbt ein Werkzeug, das Aufgaben übernimmt, die eigentlich in den Zuständigkeitsbereich menschlicher Künstlerinnen und Künstler fallen.

Verrat an der Kunst?

Das macht den Fall so brisant. Scorsese ist einer der großen Verteidiger des Kinos, ein Regisseur, der unermüdlich über Filmgeschichte, Restaurierung und die Bedeutung künstlerischer Handschrift spricht. Wenn ausgerechnet er nun für ein generatives KI-System wirbt, trifft das einen Nerv, der in Hollywood ohnehin blank liegt.

Black Forest Labs hatte Scorsese am 2. Juni 2026 als Berater vorgestellt. Das Unternehmen sprach davon, gemeinsam mit ihm die Grenzen kreativer Möglichkeiten zu verschieben. Scorsese selbst verwies auf frühere technische Entwicklungen in seiner Arbeit, darunter 3D bei Hugo Cabret (2011) und digitale Verjüngung bei The Irishman (2019). Kino sei ein junges Medium, sagte er sinngemäß, und man müsse offen dafür bleiben, wie es sich weiterentwickelt.

Das Problem ist nur: Bei generativer KI geht es nicht um eine neue Kamera, ein neues Objektiv oder eine besonders teure Renderfarm. Es geht um Systeme, die Bilder aus riesigen Datenmengen erzeugen und damit unmittelbar in Bereiche eindringen, in denen bislang Menschen Ideen entwickeln, verwerfen, zeichnen, bauen und präzisieren. Genau deshalb ist der Vergleich mit früheren Filmtechnologien nur begrenzt tragfähig. 3D ersetzt keinen Production Designer, aber ein KI-Storyboard kann sehr wohl den ersten menschlichen Entwurf verdrängen.

Auch Regisseur Boots Riley (Sorry to Bother You) meldete sich bereits deutlich zu Wort. Er unterstellte Scorsese auf X finanzielle Beweggründe und formulierte seine Kritik mit der Eleganz eines Vorschlaghammers. Inhaltlich zielt sie aber auf denselben Punkt: Wer als Legende des Autorenkinos eine solche Technologie öffentlich legitimiert, sendet ein Signal in eine Branche, die ohnehin längst nach billigeren und schnelleren Produktionswegen sucht.

Eine Stellungnahme von Scorseses Seite zur Kritik der Art Directors Guild lag zunächst nicht vor. Damit bleibt vorerst ein unangenehmer Widerspruch stehen. Scorsese spricht von einem Werkzeug, das seine Vision für das Team klarer machen soll. Die Art Directors Guild sieht darin ein Werkzeug, das dieses Team perspektivisch kleiner machen könnte.

Für Hollywood trifft dieser Streit einen empfindlichen Punkt. Es geht nicht nur um ein neues Werkzeug, sondern um die Frage, wer die visuelle Vorstellung eines Films zuerst formt: Künstlerinnen und Künstler mit Erfahrung, kreativem Gespür und eigener Handschrift. Oder Systeme, die auf Knopfdruck liefern, was sich in der Studiologik schnell als Effizienz verkaufen lässt.

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