Die Television Academy kürzt ihre Emmy-Hauptshow ausgerechnet bei den Menschen, die TV-Formate schreiben, inszenieren und spielen. Fünf Kategorien wechseln zu den vorgeschalteten Preisverleihungen am 5. und 6. September 2026 und werden damit nicht mehr während der großen NBC-Übertragung vergeben.
Diesen Fehler machten bereits die Oscars
Bei den Oscars 2022 wurden acht Preise vor der Live-Übertragung verliehen und später gekürzt in die Sendung eingebaut. Nach heftiger Kritik kehrten im folgenden Jahr alle Kategorien in die Live-Show zurück.
Betroffen sind die Preise für die besten Nebendarsteller und Nebendarstellerinnen in einer Mini- oder Anthologieserie beziehungsweise einem Fernsehfilm. Ebenfalls ausgelagert werden Regie und Drehbuch derselben Sparte sowie das beste Drehbuch einer Late-Night-, Talk- oder Sketchshow. Das Haupt-Event am 14. September umfasst dadurch nur noch 19 Kategorien.
Die Television Academy begründet die Änderung mit der begrenzten Laufzeit der dreistündigen Sendung. Die frei werdende Zeit soll eine unterhaltsamere und stärker auf das Fernsehpublikum zugeschnittene Show ermöglichen. Moderiert werden die 78. Emmy Awards von der Schauspielerin Mariska Hargitay. In den USA überträgt NBC die Verleihung live, parallel läuft sie beim Streamingdienst Peacock.
Gewerkschaften sehen eine Abwertung ihrer Mitglieder
Die Auswahl der gestrichenen Kategorien wirkt allerdings auffällig unausgewogen. Die Hauptshow zeichnet weiterhin die beste Mini- oder Anthologieserie sowie deren Hauptdarsteller aus. Regie, Drehbuch und Nebenrollen derselben Sparte müssen eine Woche früher antreten. Die entsprechenden Preise für Comedy- und Dramaserien bleiben dagegen Bestandteil der Fernsehübertragung.
Die Directors Guild of America, die Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA und die Writers Guild of America reagierten mit einer gemeinsamen Erklärung.. Eine Preisverleihung könne nicht Exzellenz feiern und gleichzeitig die öffentliche Anerkennung der beteiligten Filmschaffenden beschneiden.
Auch bei den Sendern und Streamingdiensten stößt der Umbau laut Variety auf deutlichen Widerstand. Dem Bericht zufolge beschwerten sich unter anderem Netflix-Managerin Bela Bajaria und HBO-Chef Casey Bloys persönlich bei der Television Academy. Diese plane bislang dennoch nicht, ihre Entscheidung zurückzunehmen.
Das Zeitproblem der Emmys ist bekannt. Bei mehr als 100 Kategorien passt nicht jeder Preis in eine dreistündige Hauptshow. Die Academy zieht mit ihrer Entscheidung allerdings keine klare Grenze, sondern zerlegt einzelne Sparten: Hauptdarsteller und beste Miniserie bleiben in der Fernsehübertragung, Nebenrollen, Regie und Drehbuch werden ausgelagert. Das spart Sendezeit, schafft aber eine neue Hierarchie innerhalb derselben Kategorie.

