Academy Marquee Theaters: Das Logo der neuen Academy-Kategorie

Quelle: Academy of motion picture arts and sciences

Oscars für Kinos: Die Academy sucht die besten Filmtheater der Welt

Mit der Academy Marquee Theater List sollen ab 2027 die bemerkenswertesten Kinos der Welt ausgezeichnet werden. Eine Publikumswahl wird daraus allerdings nicht.

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Von Ahmet Iscitürk

02.06.2026 - 10:11 Uhr

Die Oscars bleiben nicht mehr nur bei Filmen, Schauspielern, Regisseuren und all den Menschen, die im Abspann oft erst dann auftauchen, wenn im Kinosaal schon die ersten Jacken rascheln. Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences hat eine neue weltweite Auszeichnung angekündigt, mit der künftig besondere Kinos geehrt werden sollen. Die Academy Marquee Theater List soll Filmtheater ehren, die über den Verkauf von Popcorn, das Scannen von Tickets und die Maximierung der täglichen Vorstellungsanzahl hinausgehen.

100 Jahre Academy

Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences wurde 1927 gegründet und feiert 2027 ihr 100-jähriges Bestehen. Mit der Marquee Theater List richtet sie den Blick nicht nur auf Filme und ihre Macherinnen und Macher, sondern auch auf die Orte, an denen Kino überhaupt erst als gemeinsames Erlebnis funktioniert.

Zum 100. Jubiläum der Academy im Jahr 2027 sollen erstmals 50 Kinos auf diese Liste kommen. Geplant sind 25 Häuser aus den USA und 25 internationale Kinos. Ausgewählt werden sie von einem Komitee aus Academy-Mitgliedern verschiedener Branchen, anschließend muss der Board of Governors der Academy die Auswahl bestätigen. Es handelt sich also nicht um einen klassischen Oscar, aber um eine offizielle Anerkennung durch jene Institution, die seit Jahrzehnten vorgibt, was im Kinojahr als besonders preiswürdig gilt.

Der Gedanke hinter der neuen Liste ist klar: Die Academy will das Kino als Ort stärker in den Mittelpunkt rücken. Nicht nur Filme sollen gefeiert werden, sondern auch die Räume, in denen sie ihre Wirkung überhaupt entfalten. Das klingt zunächst nach einer schönen Geste, hat aber auch eine ziemlich konkrete kulturpolitische Note. In einer Branche, in der Streaming längst zum Normalzustand geworden ist und Kinostarts immer wieder neu begründet werden müssen, erinnert die Academy daran, dass Kino mehr ist als ein sehr große Projektionsfläche.

Außergewöhnliche Lichtspielhäuser werden geehrt

Ausgezeichnet werden sollen Kinos, die außergewöhnliche Publikumserlebnisse bieten, Filmgeschichte bewahren und als kulturelle Ankerpunkte in ihren Gemeinden funktionieren. Bewerben können sich feste Kinos auf der ganzen Welt, sofern sie ganzjährig betrieben werden. Temporäre Spielstätten oder Pop-up-Kinos fallen damit raus. Zugelassen sind sowohl Häuser mit aktuellen Erstaufführungen als auch Repertoirekinos. Auch Multiplexe sind grundsätzlich nicht ausgeschlossen, allerdings dürfen pro Betreiber oder Kinokette maximal zehn Häuser in einem Einreichungszyklus vorgeschlagen werden.

Interessant ist vor allem, wonach die Academy urteilen will. Bewertet werden unter anderem Community-Arbeit, Bild- und Tonqualität, Programmgestaltung, Vielfalt, Inklusion und Barrierefreiheit, historische Bedeutung, Erhaltungszustand, Architektur, Licht, allgemeiner Zustand des Hauses und sogar das Angebot an Snacks. Das ist auf den ersten Blick eine ziemlich breite Checkliste. Auf den zweiten Blick ergibt sie Sinn. Ein gutes Kino besteht eben nicht nur aus einer großen Leinwand. Es besteht aus Technik, Haltung, Programm, Geschichte und aus diesem schwer messbaren Gefühl, dass ein Film dort nicht einfach abgespielt, sondern wirklich gefeiert werden.

Wer jetzt schon sein Lieblingskino auf die Liste setzen möchte, muss allerdings einen kleinen Dämpfer hinnehmen. Die Academy macht daraus keine offene Publikumswahl. Bewerbungen müssen von einer offiziellen Vertretung des jeweiligen Kinos eingereicht werden. Zuschauerinnen und Zuschauer können also nicht einfach selbst ein Kino nominieren.

Die Einreichung selbst ist ebenfalls kein kleiner Zuruf an die Academy. Gefordert werden unter anderem technische und historische Angaben zum Kino, ein monatlicher Spielplan, ein Empfehlungsschreiben einer kulturellen Persönlichkeit oder einer lokalen Community-Figur, kurze Texte zur Identität und Programmierung des Hauses sowie ein kreativer Videovorschlag. Außerdem kostet die Bewerbung Geld. Je nach Zeitpunkt liegt die Gebühr bei 250, 350 oder 450 US-Dollar. Einreichungsschluss ist der 25. August 2026 um 17 Uhr Pacific Time.

Wer entscheidet am Ende?

Die Auswahl ist keine Publikumswahl, sondern liegt bei einem internen Academy-Komitee. Die endgültige Zustimmung gibt das Board of Governors, also das höchste Entscheidungsgremium der Oscar-Academy. Dort sitzen Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Branchenzweige, darunter Regie, Produktion, Schauspiel und weitere Gewerke der Filmindustrie.

Für ausgewählte Kinos bringt die Liste vor allem Sichtbarkeit. Die Academy will die Häuser auf ihren digitalen Plattformen vorstellen, darunter Webseite und Social-Media-Kanäle. Zusätzlich erhalten die ausgezeichneten Kinos eine physische Zertifizierung, die sie in ihrer Lobby zeigen können. Das ist kein Oscar auf dem Tresen, aber immerhin ein offizielles Signal: Dieses Haus ist nicht nur ein Abspielort, sondern Teil der Filmkultur.

Gerade für kleinere Programmkinos, alte Filmpaläste und regionale Häuser mit eigener Handschrift könnte die Academy Marquee Theater List interessant werden. Sie beendet keine Kinokrise, zahlt keine Miete und ersetzt auch kein Publikum. Aber sie setzt ein Zeichen, das mehr ist als Branchenromantik. Wenn Filmkultur erhalten bleiben soll, reicht es nicht, Filme zu feiern. Dann muss man auch die Orte ernst nehmen, an denen sie ihre Wirkung entfalten.

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