Hereditary: Toni Collette steht in einer Wohnung und wirkt sehr wütend. Ihr Haar ist durcheinander. Das Licht unterstreicht die gespannte Atmosphäre.

Quelle: A24

Ari Aster hat ein Prequel zu „Hereditary“ geschrieben, will es aber nicht drehen

Der Regisseur hat ein Drehbuch zur Vorgeschichte seines Horrorhits fertig. Nur scheint ihn genau dieser Stoff im Moment selbst nicht loszulassen.

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Von Ahmet Iscitürk

09.06.2026 - 09:44 Uhr

Ari Aster könnte jederzeit zu Hereditary zurückkehren. Zumindest auf dem Papier. Der Regisseur hat verraten, dass er bereits ein Prequel zu seinem Horrorfilm von 2018 geschrieben hat. Eine konkrete Umsetzung ist daraus bislang aber nicht geworden. Bei einer Fragerunde im Rahmen der Bleak Week der American Cinematheque sagte Aster, es fühle sich nie wie der richtige Zeitpunkt an. Außerdem betonte er, dass es sich um ein Prequel handle, nicht um eine Fortsetzung. Genau deshalb wisse er offenbar selbst nicht recht, wohin dieses Projekt führen würde.

Warum ein Hereditary-Prequel heikel wäre

Hereditary spricht seine eigentliche Bedrohung nur teilweise aus. Der Film deutet viel an, erklärt aber kaum etwas vollständig. Ein Prequel müsste zwangsläufig früher ansetzen: bei Großmutter Ellen, beim Kult oder bei einer früheren Phase der Besessenheit. Jede dieser Richtungen hätte Potenzial, birgt aber dasselbe Risiko. Je mehr der Film erklärt, desto kleiner kann das Grauen werden.

Das ist eine bemerkenswerte Aussage, weil Hereditary bis heute der Film ist, an dem viele Zuschauerinnen und Zuschauer Ari Asters Karriere messen. Sein Spielfilmdebüt machte ihn 2018 schlagartig zu einem der prägenden Namen des modernen Horrorkinos. Aster verband Familientrauma, okkulte Bedrohung und eine immer ausweglosere Atmosphäre zu einem Film, der nicht auf den schnellen Schock setzte, sondern auf langsame seelische Zersetzung. Für A24 wurde Hereditary zugleich ein wichtiger kommerzieller Erfolg: Weltweit spielte der Film mehr als 90 Millionen Dollar ein.

Kein Wunder, dass Aster zögert. Hereditary funktionierte nicht nur über seine Mythologie, sondern über das Gefühl, dass die Familie Graham in etwas hineingezogen wird, das lange vor ihr begonnen hat. Ein Prequel müsste dieses Davor zeigen, ohne es vollständig zu erklären. Genau dort wird okkulter Horror gefährlich. Sobald ein Fluch, ein Kult oder eine dämonische Ordnung zu sauber ausbuchstabiert wird, verliert das Unheimliche einen Teil seiner Macht. Asters Zögern wirkt deshalb weniger wie Unentschlossenheit, sondern eher wie ein sehr gesundes Misstrauen gegenüber der eigenen Lore.

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Der Regisseur lässt die Familie Graham vorerst also ruhen. Stillstand bedeutet das aber nicht. Aster arbeitet bereits an seinem nächsten Film Scapegoat, den er nach aktuellem Stand erneut mit A24 umsetzt. Scarlett Johansson soll die Hauptrolle übernehmen, Aster schrieb auch hier das Drehbuch. Details zur Handlung werden bislang zurückgehalten. Nach Midsommar, Beau Is Afraid und Eddington bleibt damit offen, ob Aster wieder stärker zum Horror zurückkehrt oder seinen Weg in andere Formen des Unbehagens fortsetzt.

Für Hereditary-Fans ist die Nachricht trotzdem mehr als nur eine nette Randnotiz. Ein fertiges Prequel-Drehbuch bedeutet, dass Aster diese Welt nicht vollständig abgeschlossen hat. Gleichzeitig macht seine Zurückhaltung klar, dass er den Stoff nicht einfach aus Markenpflege wieder aufklappt.

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