Netflix setzt generative KI längst nicht mehr nur in einzelnen Versuchsproduktionen ein. Nach Angaben des Konzerns kamen entsprechende Arbeitsabläufe 2026 bereits bei rund 300 Titeln zum Einsatz. Den Schwerpunkt bildet bislang die Postproduktion. Netflix nennt jedoch auch Konzeptarbeit, Vorvisualisierung, visuelle Effekte, Sequenzvorbereitung und Einstellungsplanung.
Die größten Streamingdienste
Netflix bleibt mit mehr als 300 Millionen Abos der größte kostenpflichtige Anbieter. Dahinter folgt Prime Video mit über 200 Millionen Prime-Mitgliedschaften, wobei Amazon keine reine Nutzerzahl für den Streamingdienst nennt. Auf Platz drei liegt Warner Bros. Discovery mit rund 140 Millionen Abos für HBO Max, HBO und Discovery+. Disney+ folgt mit etwa 128 Millionen.
Die Zahl bedeutet allerdings nicht, dass 300 Filme und Serien KI-generierte Szenen enthalten. Netflix zählt jeden Einsatz entlang des Produktionsprozesses. In einigen Fällen greift die Technik sichtbar ins Bild ein. Dazu gehören digitale Menschenmengen, historische Schlachten und Aufnahmen, mit denen Schauplätze oder ganze Filmwelten aufgebaut werden.
17 Minuten Material zum halben Preis
Als konkretes Beispiel nannte Netflix-Co-Chef Ted Sarandos die Dokuserie The American Experiment. Sie enthält 17 Minuten Material, das mit generativer KI bearbeitet wurde. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Produktion ohne KI seien die 17 Minuten Material in der Hälfte der Zeit und für die Hälfte der Kosten entstanden.
Auch die indische Produktion Glory und die brasilianische Serie Brasil 70: A Saga do Tri nutzten generative KI für komplexe Sequenzen. Nach Darstellung des Konzerns wären manche dieser Aufnahmen ohne die Technik aus Zeit- oder Kostengründen vollständig entfallen.
Netflix hat seine Produktionskapazitäten zuletzt weiter ausgebaut. Im März übernahm der Konzern InterPositive, das von Ben Affleck gegründete Unternehmen entwickelt KI-Werkzeuge für Filmproduktionen. Zum internen Produktionsapparat gehören außerdem die Effektschmiede Eyeline und ein eigenes Animationslabor.
Mehr Ausgaben, mehr Inhalte pro Dollar
Netflix möchte 2026 rund 20 Milliarden Dollar für Inhalte ausgeben, etwa zehn Prozent mehr als im Vorjahr. In den vergangenen fünf Jahren erhöhten sich diese Ausgaben im Schnitt um acht Prozent pro Jahr, über das zurückliegende Jahrzehnt um durchschnittlich 14 Prozent. Rund fünf Prozent des Budgets sind für Live-Inhalte vorgesehen.
Sarandos betonte, dass Filme weiterhin von Menschen gemacht würden und KI lediglich bessere Werkzeuge bereitstelle. Wirtschaftlich formulierte er den Nutzen weniger feierlich: kürzere Produktionszeiten, geringere Kosten und mehr Wirkung für jeden investierten Dollar.

