Die neue Realität für Peter Parker
Brand New Day ist der vierte Solo-Auftritt von Tom Holland. Nach den multiversalen Ereignissen aus No Way Home (2021) steht Peter Parker vor einem Neuanfang: Die gesamte Welt – inklusive MJ (Zendaya) – hat seine zivile Existenz vergessen.
Bei Marvel sieht von außen oft alles nach Großindustrie aus. Riesige Budgets, enge Zeitpläne, globale Vermarktung, jede Einstellung schon halb als Marketing-GIF gedacht. Umso interessanter ist eine Anekdote, die Tom Holland jetzt über die Dreharbeiten zu Spider-Man: Brand New Day erzählt hat.
Holland sprach im Podcast Good Hang mit Amy Poehler über die Arbeit mit Zendaya. Beide standen bereits mehrfach gemeinsam für die Spider-Man-Filme vor der Kamera und drehen auch Christopher Nolans The Odyssey zusammen. Holland bezeichnete Zendaya in dem Gespräch als wichtigen Rückhalt bei seiner Arbeit. Gerade diese Vertrautheit spielte offenbar auch am Set von Spider-Man: Brand New Day eine Rolle.
Nach Hollands Schilderung war zunächst seine Einstellungen gedreht worden, anschließend Zendayas Gegenseite. Er hatte irgendwie das Gefühl, dass die Szene nicht die Wirkung hatte, die sie haben sollte. Er fragte Zendaya, ob sie das genauso sehe. Ihre Antwort war eindeutig. Auch sie glaubte nicht, dass die Szene funktionierte.
Holland ging zu den Produzenten und fragte auch dort nach. Laut seiner Darstellung teilten sie die Einschätzung. Anschließend wandten sich Holland und Zendaya an Regisseur Destin Daniel Cretton. Sie erklärten ihm, dass sie wüssten, wie viele Stunden bereits in die Szene geflossen waren, aber leider nicht das fühlten, was die Szene eigentlich auslösen sollte.
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Mehr InformationenCretton reagierte laut Holland nicht gereizt, sondern ruhig. Er fragte, was genau sie in der Szene fühlen wollten. Als Holland es erklärte, habe Cretton bestätigt, dass genau diese Wirkung gebraucht werde. Daraufhin schickte er die Crew nach Hause, setzte sich mit Holland und Zendaya an die Szene und ließ sie überarbeiten. Am nächsten Tag wurde sie neu gedreht.
Spannend ist daran nicht, dass zwei Stars am Set widersprechen. Das passiert jeden Tag. Spannend ist, dass eine Marvel-Produktion an diesem Punkt nicht einfach weiterlief. Spider-Man: Brand New Day ist kein kleiner Film, bei dem man noch improvisiert, während die Kamera läuft. Es ist ein Blockbuster, bei dem jeder Drehtag Teil eines größeren Apparats ist und jede Verzögerung gravierende Folgen hat. Trotzdem wurde der Dreh an dieser Stelle gestoppt, weil die Szene nicht die Wirkung hatte, die sie haben sollte.
Gerade das macht die Anekdote so aufschlussreich. Ein Franchise kann noch so groß sein, eine Szene bleibt eine Szene. Zwei Menschen stehen vor der Kamera, ein Moment soll etwas auslösen, und wenn das nicht passiert, hilft kein Riesenbudget darüber hinweg. Man kann solche Stellen später kaschieren, kürzen oder im Schnitt stabilisieren. Besser ist es, sie rechtzeitig ernst zu nehmen.
Wer ist Destin Daniel Cretton?
Der Regisseur machte sich mit intimen Charakterdramen wie Short Term 12 einen Namen. 2021 inszenierte er für Marvel erfolgreich Shang-Chi, was ihm den Ruf einbrachte, Action mit tiefer Charakterzeichnung zu verbinden – eine Qualität, die er nun bei Brand New Day einbringt
Für Holland war dieser Moment offenbar nur möglich, weil er Zendaya vertraut. Er sagte selbst, einer anderen Schauspielerin hätte er diese Frage nicht gestellt. Bei Zendaya tat er es. Sie antwortete ehrlich, und aus einem Zweifel zwischen zwei Takes wurde eine Entscheidung, die den Dreh stoppte.
Natürlich sagt diese Geschichte noch nichts darüber aus, wie gut Spider-Man: Brand New Day am Ende wird. Eine neu geschriebene Szene rettet keinen Film, der an anderer Stelle nicht trägt. Aber sie sagt etwas über die Arbeitsweise an diesem Set. Cretton hätte die Szene auch einfach durchziehen können. Er hätte auf den Zeitplan verweisen können. Er hätte hoffen können, dass der Schnitt es später richtet. Doch er vertraute auf das Gespür seines Casts. Am Ende werden wir Zuschauerinnen und Zuschauer davon wahrscheinlich nichts merken, denn gute Reparaturarbeit erkennt man oft daran, dass niemand mehr die Bruchstelle sieht.

