Marvel Animation’s X-Men ‘97 Season 2: eine maskierte Figur mit roten Augen steht vor einer Reiter-Staffel und scheint zu allem bereit.

Quelle: Marvel Entertainment

13 Jahre nach dem Fox-Ende: Marvel macht die X-Men wieder groß

Mit X-Men ’97, Avengers: Doomsday, neuen Spielen und einer düsteren Comic-Offensive rücken die Mutanten wieder ins Zentrum von Marvel.

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Von Ahmet Iscitürk

08.06.2026 - 10:19 Uhr

Die X-Men waren nie wirklich weg. Dafür sind Wolverine, Cyclops, Storm, Magneto und Professor X zu tief in der Popkultur verankert. Aber sie standen lange auf dem Abstellgleis. Nach dem Ende der Fox-Ära wirkten die Mutanten wie eine Marke, die jeder kennt, aber niemand so recht anfassen wollte. Zu groß für eine Nebenrolle, zu kompliziert für einen schnellen Neustart, zu belastet durch Filme, die irgendwann mehr mit Franchise-Pflege als mit erzählerischer Qualität zu tun hatten. Jetzt deutet sich an, dass Marvel genau diese Phase beendet.

Warum die X-Men für Marvel so wichtig sind

Im Gegensatz zu vielen anderen Marvel-Teams liegt der Kernkonflikt der X-Men in ihrer einzigartigen Mission: Sie retten eine Welt, die sie gleichzeitig fürchtet, ausgrenzt oder kontrollieren möchte. Diese Prämisse hat die X-Men über Jahrzehnte hinweg zu einem kraftvollen Vehikel für die Auseinandersetzung mit Themen wie Diskriminierung, Identität, Radikalisierung, Assimilation und Selbstbestimmung gemacht.

Fans sprechen von einer neuen goldenen Ära für die X-Men. Das ist großspurig formuliert, aber nicht aus der Luft gegriffen. Entscheidend ist weniger ein bestimmtes Projekt als die Summe der Signale. Marvel setzt die Mutanten gleichzeitig in Animation, Kino, Games und Comics wieder prominenter ein. Genau so baut man eine Marke wieder auf.

Der wichtigste Schritt war X-Men ’97. Die Animationsserie hat nicht einfach eine alte Samstagmorgen-Erinnerung poliert, sondern gezeigt, warum diese Figuren überhaupt funktioniert haben. Besonders Cyclops profitierte davon. Die Fox-Filme hatten Scott Summers über Jahre zum Problemfall gemacht: zu steif, zu blass, zu oft im Schatten von Wolverine. X-Men ’97 erinnerte daran, dass Cyclops nicht der langweilige Regelmensch der Truppe ist, sondern ihr taktisches Rückgrat. Ein Mann, der Verantwortung nicht trägt, weil sie ihm steht, sondern weil sonst niemand sie schultern will.

Wenn Staffel 2 am 1. Juli 2026 auf Disney+ startet, bekommt Marvel die Gelegenheit, diesen Schwung mitzunehmen. Dann wird sich zeigen, ob die Sehnsucht nach klassischen Mutanten-Geschichten noch trägt. Nach dem bisherigen Echo spricht wenig dagegen.

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Im Kino wird es noch deutlicher. Avengers: Doomsday holt mehrere bekannte Gesichter aus der alten Fox-Ära zurück, darunter Patrick Stewart als Professor X, Ian McKellen als Magneto, James Marsden als Cyclops und Rebecca Romijn als Mystique. Das ist natürlich auch Nostalgie. Marvel wäre nicht Marvel, wenn es diese Karte nicht spielen würde. Spannend wird aber, ob der Film diese Figuren nur als Wiedersehensmoment benutzt oder tatsächlich als Übergang in eine neue MCU-Zukunft versteht.

Interaktive Superhelden-Action

Auch die Spiele ziehen mit. Marvel Tōkon: Fighting Souls setzt mit Storm, Magik, Wolverine und Danger gleich auf ein eigenes X-Men-Team. Dazu kommen weitere Auftritte der Mutanten in aktuellen Marvel-Spielen. Das ist kein Zufall. Gerade für Games sind die X-Men dankbar, weil ihre Kräfte nicht nur spektakulär aussehen, sondern sich fast automatisch in Spielmechaniken übersetzen lassen. Wolverine ist Nahkampf. Storm ist Kontrolle über den Raum. Magik ist Bewegung, Klinge und Magie. Danger ist die perfekte Brücke zwischen Technik, Arena und Bedrohung. Bei den Mutanten muss man Gameplay nicht um die Figuren herum erfinden. Es liegt bereits in ihnen.

Am interessantesten könnte aber ausgerechnet die Comic-Seite werden. Mit Midnight X-Men startet Marvel im August 2026 ein neues düsteres Horror-Universum. Jonathan Hickman kehrt damit zu den Mutanten zurück, diesmal nicht als Architekt einer großen politischen Neuordnung wie in der Krakoa-Ära, sondern mit einem Ansatz, der Horror, Fantasy und Mutantenmythologie verbindet. Das ist klug. Die X-Men waren immer dann am stärksten, wenn sie nicht nur Superhelden waren. Sie funktionieren als Außenseiterdrama, als politische Allegorie, als Körperhorror, als Familiengeschichte und als endloser Streit darüber, ob Anpassung, Widerstand oder Abgrenzung der richtige Weg ist.

Gerade deshalb wirkt diese neue Marvel-Phase nach mehr als einem bloßen Neustart. Die X-Men brauchen keine Neuerfindung. Sie brauchen nur wieder den Respekt vor dem, was sie stark gemacht hat: Figuren mit inneren Konflikten, Kräfte mit erzählerischem Gewicht und ein Ensemble, das mehr ist als die Entourage für Wolverine. Wenn Marvel diesmal nicht wieder alles auf ihn verengt, könnte daraus mehr werden als ein nostalgisches Klassentreffen.

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