Manche Superheldenrollen muss man sich über Jahre erarbeiten. Andere sitzen so selbstverständlich, dass man rückblickend fast vergisst, dass sie irgendwann einmal besetzt werden mussten. Bei Charlie Cox als Matt Murdock trifft eindeutig Letzteres zu. Am 28. Mai 2014 wurde Cox offiziell als Hauptdarsteller der damaligen Netflix-Serie Daredevil (2015) angekündigt. Zwölf Jahre später feiern Marvel-Fans dieses Casting noch immer als einen der großen Volltreffer der modernen Comicverfilmung.
Von Netflix ins MCU
Daredevil startete 2015 bei Netflix. Nach der Absetzung 2018 galten die Rechte lange als unklar, bis Marvel Studios die Figur offiziell in den MCU-Kanon aufnahm und Charlie Cox für Kino- und Serien-Auftritte zurückbrachte.
Cox spielte Matt Murdock nie wie eine weitere Figur aus dem Superheldenregal, sondern wie einen Mann, der an seinen Gegensätzen fast zerbricht: Anwalt, Katholik, Rächer, gebrochener Idealist, Straßenschläger mit Gewissen. Gerade deshalb funktioniert seine Version von Daredevil so gut. Unter der Maske steckt bei ihm kein cooler Sprücheklopfer mit rotem Helm, sondern ein Typ, dem jede Entscheidung ins Gesicht geschrieben steht. Oder anders gesagt: Cox nimmt man nicht nur den Teufel von Hell’s Kitchen ab, sondern auch den erschöpften Mann dahinter, der am nächsten Morgen mit blutigen Knöcheln wieder im Gerichtssaal steht.
OFFICIAL: Charlie Cox is the Man Without Fear in #Marvel's @Daredevil! http://t.co/Qi4qj9brQ2 pic.twitter.com/OehQzb91Gv
— Marvel Entertainment (@Marvel) May 28, 2014
Dass dieses Casting bis heute nachwirkt, liegt auch daran, dass Cox die Rolle längst über die Netflix-Ära hinausgetragen hat. Nach den drei Staffeln von Daredevil kehrte er unter anderem in Spider-Man: No Way Home (2021), She-Hulk: Die Anwältin (2022), Echo (2024) und schließlich in Daredevil: Born Again (2025) zurück. Damit ist Matt Murdock nicht bloß ein nostalgischer Gast aus Marvels Streaming-Vergangenheit geblieben, sondern wieder ein aktiver Teil des MCU. Eine dritte Staffel von Daredevil: Born Again ist bereits offiziell in Arbeit.
Die kreative Rettung
Dass „Daredevil: Born Again“ heute als Erfolg gilt, verdankt die Serie Showrunner Dario Scardapane. Nach einem kreativen Neustart der Produktion brachte er die raue Netflix-Tonalität zurück und knüpfte nahtlos an alte Staffeln an.
Auffällig ist dabei, dass Cox’ Rückkehr in den Marvel-Kosmos alles andere als selbstverständlich wirkte. Nach dem Ende der Netflix-Marvel-Serien blieb die Zukunft vieler Figuren zunächst offen. Matt Murdock war jedoch eine dieser Rollen, an denen das Publikum besonders hartnäckig festhielt. Seine Rückkehr fühlte sich deshalb weniger nach nostalgischem Pflichtprogramm an, sondern eher nach einer überfälligen Korrektur. Wenn zwölf Jahre später noch immer so laut applaudiert wird, dann nicht nur aus Gewohnheit, sondern weil Marvel hier damals schlicht den richtigen Mann für die Rolle erwischt hat.

