Gareth Edwards hat sich erneut zur Rolle von KI beim Filmemachen geäußert und klingt dabei deutlich neugieriger als viele andere Hollywood-Stimmen. Der Regisseur von The Creator (2023), Rogue One: A Star Wars Story (2016) und Jurassic World Rebirth (2025) experimentiert nach eigenen Angaben mit KI-Werkzeugen und denkt offenbar auch über einen hybriden KI-Film nach. Das ist derzeit eine ziemlich brisante Aussage, ungefähr so, als würde man im Munitionslager eine Wunderkerze anzünden und sich über die Nervosität der anderen wundern.
KI sei für ihn wie ein „Second-Unit-Regisseur mit Milliardärsbudget und Acid im Blut“. Das ist ein starkes Bild, aber auch ein ziemlich gutes Beispiel für das Problem. KI kann schnell Varianten, Bilder und Ideen auswerfen. Das macht sie nützlich. Es macht sie aber nicht automatisch zu einer künstlerischen Instanz. Effizienz ersetzt keine Haltung, keine Erfahrung und schon gar kein Gespür dafür, wann ein Bild mehr ist als die Summe seiner Teile.
Ganz überraschend kommt Edwards’ Interesse an KI nicht. Mit The Creator drehte er ausgerechnet einen Science-Fiction-Film über einen Krieg zwischen Menschen und künstlicher Intelligenz. Der Streifen entwirft eine Zukunft, die fantastisch und trotzdem erstaunlich plausibel wirkt.. Als The Creator im Jahr 2023 erschien, war KI in Hollywood längst kein abstraktes Zukunftsthema mehr, sondern Teil einer sehr realen Debatte über Urheberrechte, Arbeitsplätze, digitale Stimmen, synthetische Bilder und die Frage, ob Studios glauben, Menschen seien vor allem ein störender Kostenfaktor.
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Mehr InformationenEdwards wirkt in dieser Diskussion aber nicht wie jemand, der die Filmkunst an eine Maschine verschenken möchte. Eher wie ein Regisseur, der neue Werkzeuge grundsätzlich erst einmal ausprobiert, statt sie aus Prinzip zu verdammen. Das passt zu seiner bisherigen Arbeitsweise. Schon Monsters (2010) war ein Film, der mit vergleichsweise schmalen Mitteln größer wirkte, als er eigentlich war. Auch The Creator fiel durch einen ungewöhnlich pragmatischen Produktionsansatz auf: Edwards drehte viel an realen Schauplätzen, mit vergleichsweise kleiner Crew und weniger klassischem Studiobau. Die Science-Fiction-Welt entstand nicht in Greenscreen-Räumen, sondern wurde auf Grundlage der echten Orte digital erweitert.
Genau deshalb ist seine KI-Offenheit spannend und heikel zugleich. Wenn ein Filmemacher wie Edwards über KI spricht, geht es nicht nur um Spielerei oder ein paar hübsche Konzeptbilder. Es geht um die nächste Stufe einer Arbeitsweise, die Kino dynamischer, günstiger und unmittelbarer machen könnte. Für unabhängige Filmemacher wäre das durchaus reizvoll. Plötzlich könnten Ideen visualisiert werden, die früher am Budget gescheitert wären. Kleine Teams könnten größer denken. Visionen müssten nicht mehr zwingend im Excel-Sarg der Produktionsrealität beerdigt werden.
Die andere Seite ist weniger romantisch. Dieselben Werkzeuge, die jungen Filmemachern neue Möglichkeiten geben, können Studios auch dazu verführen, Menschen zu ersetzen, Honorare zu drücken oder kreative Arbeit weiter zu entwerten. Ob diese Technik mehr künstlerische Freiheit schafft oder nur den nächsten Sparkurs als Innovationsschub verkauft, hängt nicht von der Software ab, sondern von den Leuten, die sie einsetzen.
Edwards’ Vergleich mit dem reichen Second-Unit-Regisseur auf Acid trifft deshalb besser, als man zunächst denkt. KI kann wahnsinnig produktiv sein, aber wahnsinnig produktiv ist nicht dasselbe wie gut. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit wie so oft irgendwo in der Mitte.

