Mehr als sechs Jahre nach dem Scheitern seiner Netflix-Serie White Horse muss Regisseur Carl Rinsch ins Gefängnis. Ein Bundesgericht in New York verurteilte den Regisseur von 47 Ronin (2013) wegen Betrugs und Geldwäsche zu 30 Monaten Haft.
Was ist White Horse?
Die später in Conquest umbenannte Science-Fiction-Serie sollte von künstlich erschaffenen, menschenähnlichen Wesen handeln, die nach ihrer Enttarnung eine eigene Gesellschaft bilden. Rinsch hatte bereits mehrere kurze Episoden produziert, auf deren Grundlage Netflix das Projekt übernahm und zu einer vollständigen Serie ausbauen wollte. Dazu kam es nie.
Netflix hatte Rinsch zusätzlich elf Millionen Dollar überwiesen, damit er die bereits mit hohen Summen finanzierte Science-Fiction-Serie fertigstellt. Dazu kam es nie. Stattdessen verlor er einen großen Teil des Geldes bei riskanten Finanzgeschäften und gab Millionen für Luxusmöbel, Uhren und mehrere Autos aus.
Eine Serie wurde zum Millionengrab
Netflix hatte zwischen 2018 und 2019 bereits rund 44 Millionen Dollar in das Projekt investiert. Im März 2020 überwies das Unternehmen weitere 11 Millionen Dollar, nachdem Rinsch erklärt hatte, damit die Produktion abschließen zu können. Wenige Tage später begann er jedoch, das Geld über mehrere Konten in ein privates Wertpapierdepot zu verschieben. Innerhalb von zwei Monaten verlor er mehr als die Hälfte mit hochriskanten Aktienoptionen.
Den verbliebenen Betrag investierte Rinsch unter anderem in Kryptowährungen. Mindestens 1,7 Millionen Dollar flossen in Kreditkartenrechnungen, 3,3 Millionen in Möbel, Antiquitäten und Matratzen. Dazu kamen eine Schweizer Uhr für mindestens 387.000 Dollar sowie fünf Rolls-Royce und ein roter Ferrari für insgesamt 2,4 Millionen Dollar.
Bei der Strafzumessung spielten erstmals auch Rinschs psychische Probleme eine größere Rolle. Seine Verteidiger hatten entsprechende Informationen im Prozess bewusst zurückgehalten. Mittlerweile habe der Regisseur eine Behandlung abgeschlossen und könne sein damaliges Verhalten klarer beurteilen.
Keanu Reeves bat das Gericht um Milde
Richter Jed Rakoff erklärte, während des Prozesses keine Anzeichen für eine Psychose erkannt zu haben. Einige Entscheidungen Rinschs ließen sich für ihn jedoch nicht allein mit Habgier erklären. Als Beispiel nannte er den Kauf von fünf Rolls-Royce, die nicht einmal auf Rinschs Namen zugelassen waren. Dies deute auf einen manischen Zustand hin.
Auch Keanu Reeves setzte sich in einem persönlichen Schreiben für Rinsch ein. Die beiden kennen sich seit den Dreharbeiten zu 47 Ronin (2013). Reeves berichtete, bereits 2019 an einer Intervention beteiligt gewesen zu sein, mit der Freunde Rinsch zu einer professionellen Behandlung bewegen wollten. Der Regisseur lehnte die Hilfe damals ab.
Vor Gericht räumte Rinsch ein, einen Fehler begangen zu haben. Das Verfahren habe ihn gezwungen, sich mit Problemen auseinanderzusetzen, die er zuvor selbst nicht verstanden habe. Sein Anwalt kündigte Berufung an. Im September soll Rinsch seine Haft antreten. Die Serie bleibt unvollendet, doch ganz verloren ist das Geld für Netflix vielleicht nicht. Aus dem gescheiterten Projekt ließe sich immerhin noch eine Doku-Serie machen. An haarsträubenden Wendungen mangelt es dieser Geschichte nun wirklich nicht.

