Dieses Bild zeigt die Logos von Paramount und Warner Bros. und darunter den Hammer eines Richters.

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Zwölf US-Bundesstaaten wollen Paramounts Übernahme von Warner Bros. stoppen

Das US-Justizministerium hatte den 110-Milliarden-Dollar-Deal bereits freigegeben. Nun warnen zwölf Bundesstaaten vor höheren Preisen, weniger Filmen und weiteren Einschnitten in Hollywood.

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Von Ahmet Iscitürk

14.07.2026 - 08:47 Uhr

Zwölf US-Bundesstaaten wollen Paramounts geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery verhindern. Die von Kalifornien angeführte Koalition hat vor einem Bundesgericht in Oakland Klage eingereicht und eine einstweilige Verfügung beantragt. Sie soll verhindern, dass die beiden Unternehmen den Deal abschließen, bevor das Gericht über die kartellrechtlichen Vorwürfe entschieden hat.

Damit steht die größte Übernahme der Hollywood-Geschichte wieder zur Debatte. Das US-Justizministerium hatte seine achtmonatige Prüfung erst im Juni beendet und keine ausreichenden Gründe für ein Verfahren gesehen.

Was plant Paramount mit Warner Bros. Discovery?

Paramount Skydance will Warner Bros. Discovery für 31 Dollar je Aktie übernehmen. Der Unternehmenswert des Geschäfts liegt einschließlich Schulden bei rund 110 Milliarden Dollar. Unter einem Dach würden unter anderem Paramount, Warner Bros., HBO, CNN, CBS, MTV, Nickelodeon, DC und Paramount+ zusammenkommen.

Bundesstaaten warnen vor weniger Konkurrenz

Die Kläger halten die Einschätzung des Justizministeriums für falsch. Paramount und Warner Bros. gehören zu den fünf großen Filmverleihern Hollywoods und konkurrieren bislang um Kinostarttermine, Leinwände, Filmschaffende und Lizenzverträge.

Nach Berechnungen der beteiligten Bundesstaaten käme der gemeinsame Konzern bei Filmen mit breitem US-Kinostart auf einen Marktanteil von rund 27 Prozent. Bei Produktionen, denen bereits vor dem Start ein besonders hohes Einspielergebnis zugetraut wird, wären es mehr als 30 Prozent.

Paramount, Disney, Universal und Sony würden nach der Übernahme zusammen 86 Prozent des US-Marktes für breit ausgewertete Kinofilme kontrollieren. Bei den erwarteten Blockbustern läge ihr gemeinsamer Anteil sogar bei mehr als 90 Prozent.

Die Kläger befürchten deshalb, dass Paramount gegenüber Kinos bessere Konditionen durchsetzen und einen größeren Anteil der Ticketeinnahmen verlangen könnte. Weniger Konkurrenz zwischen den Studios könne zudem die Zahl der produzierten Filme, ihre Budgets und die Auswahl für das Publikum verringern.

Ähnliche Bedenken äußern die Bundesstaaten beim linearen Fernsehen. Paramount und Warner Bros. Discovery besitzen gemeinsam Sender wie CNN, CBS, MTV, HGTV, Cartoon Network und Nickelodeon. Bei Vertragsverhandlungen hätte der gemeinsame Konzern damit deutlich mehr Druckmittel, weil Kabelanbieter auf mehrere seiner wichtigsten Sender kaum verzichten könnten.

Auch Beschäftigte der Film- und Fernsehbranche wären nach Ansicht der Kläger betroffen. Wenn zwei große Auftraggeber zu einem Unternehmen verschmelzen, konkurrieren weniger Studios um Autoren, Schauspieler, Regisseure und Mitglieder der Filmcrews. Die Bundesstaaten warnen daher vor sinkenden Honoraren und weiteren Stellenstreichungen.

Paramount verspricht 30 Kinofilme pro Jahr

Paramount weist die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen bezeichnet die Klage als verzerrte Darstellung eines Marktes, in dem klassische Hollywood-Studios längst mit Netflix, Amazon, Apple und zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen konkurrieren.

Das US-Justizministerium kam nach seiner Prüfung zu einem ähnlichen Ergebnis. Die Übernahme schade weder dem Streamingmarkt noch dem linearen Fernsehen oder dem Wettbewerb bei der Produktion und Verwertung von Kinofilmen. Der gemeinsame Konzern könne vielmehr einen stärkeren Konkurrenten für Netflix, Disney und Amazon bilden.

Paramount hat angekündigt, Warner Bros. und Paramount als eigenständige Filmstudios zu erhalten. Beide sollen jeweils mindestens 15 Kinofilme pro Jahr veröffentlichen. Gleichzeitig plant das Unternehmen Einsparungen in Höhe von sechs Milliarden Dollar, vor allem bei Verwaltung, Infrastruktur und Marketing.

Die Bundesstaaten halten das Versprechen von 30 Filmen für rechtlich unverbindlich. Selbst wenn Paramount die Zahl zunächst einhält, könnte der Konzern später Budgets kürzen, weniger Stoffe entwickeln oder gegenüber Kinos und Fernsehanbietern härtere Konditionen durchsetzen. Eine Zahl in einer Unternehmenspräsentation stellt letztlich keine rechtlich bindende Verpflichtung dar.

Die politische Frage bleibt Teil des Verfahrens

Alle zwölf Generalstaatsanwälte, die sich an der Klage beteiligen, gehören der Demokratischen Partei an. Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta wirft der Regierung von Donald Trump vor, den Deal ohne ausreichende Bedenken durchgewinkt zu haben.

Kritiker verweisen dabei auch auf Larry Ellison, den Vater von Paramount-Chef David Ellison. Der Oracle-Mitgründer unterstützt Trump seit Jahren und gehört zu den wichtigsten Geldgebern der Übernahme. Dass diese Verbindung die Entscheidung des Justizministeriums beeinflusst hat, ist damit allerdings nicht belegt.

Die politische Schärfe der Auseinandersetzung ändert nichts an der zentralen Frage des Verfahrens: Ob Netflix, Amazon und andere Streaminganbieter als ausreichende Konkurrenz gelten oder ob Paramount und Warner Bros. in einzelnen Bereichen des Kino- und Fernsehgeschäfts bereits zu viel Marktmacht bündeln würden.

Jede Verzögerung kostet Paramount Millionen

Die Klage beendet die Übernahme nicht automatisch. Sie kann den Abschluss aber um Monate verzögern. Vergleichbare Verfahren benötigten nach einer Auswertung von Reuters im Durchschnitt rund acht Monate bis zu einer ersten gerichtlichen Entscheidung.

Das wäre für Paramount teuer. Sollte die Übernahme nach dem 30. September 2026 noch nicht abgeschlossen sein, erhalten die Aktionäre von Warner Bros. Discovery für jedes weitere Quartal eine zusätzliche Zahlung von insgesamt rund 650 Millionen Dollar. Längere Verzögerungen könnten außerdem eine Neuverhandlung der Finanzierung erforderlich machen.

Auch die Europäische Kommission prüft das Geschäft weiterhin. Paramount hat Zugeständnisse angeboten, um die kartellrechtlichen Bedenken der EU auszuräumen. Die vorläufige Entscheidungsfrist endet am 22. Juli 2026.

Paramount wollte die Übernahme noch im dritten Quartal abschließen. Nun kann ein Bundesgericht den Zeitplan zerlegen, auf dem die Finanzierung des gesamten Geschäfts beruht.