Pedro Pascal war zuletzt in einigen der größten Film- und Serienproduktionen zu sehen. Allein tragen musste er jedoch keine davon. In Tony Gilroys Behemoth! ändert sich das: Pascal erscheint in jeder Szene und verkörpert den Cellisten Alex über einen Zeitraum von 25 Jahren.
Warum Hollywoods Studiomusiker unter Druck stehen
Die Film- und Tonbranche in Los Angeles verlor binnen eines Jahres 6.700 Arbeitsplätze. Studiomusiker trifft der Einbruch doppelt: Es entstehen weniger Produktionen, zugleich lassen Studios viele Filmmusiken im Ausland aufnehmen. Dort genügt oft ein einmaliges Honorar. In den USA erhalten Musiker zusätzlich Tantiemen, wenn ein Film später weiterverwertet wird.
Alex stammt aus einer Musikerfamilie und kehrt nach Jahrzehnten in verschiedenen Symphonieorchestern nach Los Angeles zurück. Dort beginnt er wieder, Filmmusik einzuspielen. Ruhm oder eine Solokarriere interessieren ihn nicht. Musik ist für ihn keine Bühne zur Selbstdarstellung, sondern eine Berufung, der er sich seit seiner Kindheit verschrieben hat.
Die Gegenwartshandlung erzählt Alex’ Rückkehr chronologisch. Sobald er das Eröffnungsstück eines neuen Filmprojekts spielt, springt die Geschichte in seine Vergangenheit. Diese Rückblenden erklären nach und nach, weshalb er Los Angeles einst verließ und warum er nun zurückkehrt.
Oscar Isaac stieg vor Drehbeginn aus
Ursprünglich sollte Oscar Isaac die Hauptrolle übernehmen. Nach seinem Ausstieg im August 2025 erwog Gilroy nach eigener Aussage zunächst, das Projekt vollständig aufzugeben. Erst ein dreistündiges Gespräch mit Pascal überzeugte ihn davon, den Film neu zu besetzen.
Für Pascal ist Behemoth! dennoch kein gewöhnlicher Ersatzauftrag. Der Schauspieler beschreibt Alex als eine Figur, die stärker als seine bisherigen Rollen von seinen eigenen Erfahrungen lebt. Anders als bei The Fantastic Four, The Last of Us oder The Mandalorian kann er sich dabei weder auf ein Ensemble noch auf eine Rüstung verlassen.
Die größte praktische Herausforderung war allerdings das Cello. Pascal trainierte auch während der Dreharbeiten täglich, um einen Musiker glaubwürdig zu verkörpern, der das Instrument seit seiner Kindheit spielt. Bereits die korrekte Haltung des Bogens erforderte intensive Arbeit.
Schwertkämpfe, Stunts und seine Szenen in der Gladiatorenarena seien im Vergleich deutlich einfacher gewesen. Das Cello bezeichnet Pascal als das Schwierigste, das er bislang für eine Rolle lernen musste. Schließlich genügt es nicht, bei Tschaikowski ungefähr an den richtigen Stellen über die Saiten zu streichen.
Neun Komponisten schreiben die Filmmusik
Der Titel Behemoth! bezeichnet innerhalb der Handlung einen fiktiven Film, an dessen Musik Alex arbeitet. Weil die verschiedenen Produktionen jeweils einen eigenen Klang erhalten sollten, engagierte Gilroy neun Komponisten.
Michael Abels, Emily Bear, Lukas Frank, Michael Giacchino, James Newton Howard, Henry Jackman, Nami Melumad, Brandon Roberts und Alan Silvestri steuern Musik zu den fiktiven Filmen bei. Einen einzigen Komponisten mit sämtlichen Stilrichtungen zu beauftragen, hielt Gilroy für die falsche Lösung.
Die ungewöhnliche Aufteilung könnte allerdings eine Oscar-Nominierung erschweren. Nach den derzeitigen Regeln der Academy dürfen höchstens drei Komponisten für eine gemeinsame Filmmusik ausgezeichnet werden. Gilroy geht deshalb davon aus, dass sein neunköpfiges Team nicht geschlossen berücksichtigt werden kann. Ein Film über die häufig übersehenen Urheber von Filmmusik könnte damit ausgerechnet an den Regeln für Urheberschaft scheitern.
Gilroy versteht Behemoth! zugleich als Bestandsaufnahme eines Gewerbes, das Hollywood gern hört, aber immer seltener vor Ort bezahlt. Ein wachsender Teil der Filmmusik werde außerhalb von Los Angeles aufgenommen, weil die dortigen Studiomusiker Anspruch auf Tantiemen und weitere Vergütungen haben. Die wirtschaftliche Lage der Branche sorgte für eine bittere Ironie: Gerade weil Musiker in Hollywood immer weniger Aufträge erhalten, standen für den Film zahlreiche hochqualifizierte Kräfte zur Verfügung.
Wer ist Tony Gilroy?
Tony Gilroy schrieb an mehreren „Bourne“-Filmen mit und führte bei „Michael Clayton“, „Duplicity“ und „Das Bourne Vermächtnis“ Regie. Später entwickelte er für Disney+ die gefeierte „Star Wars“-Serie „Andor“. „Behemoth!“ ist sein erster Kinofilm als Regisseur seit 2012.
Zum Ensemble gehören Hank Azaria als Alex’ Vater und Will Arnett als dessen Bruder. Eva Victor spielt die Cellistin Nadia, mit der Alex während eines Auftrags eine Beziehung beginnt. Olivia Wilde übernimmt die Rolle seiner Ex-Partnerin Carol. Außerdem wirken Matthew Lillard, Margarita Levieva und Alexa Swinton mit.
Searchlight Pictures hat noch keinen Starttermin für Behemoth! angekündigt.

