The Beginning: Making Star Wars: Episode I The Phantom Menace: eine nahe Aufnahme von George Lucas, der eine Brille trägt und einen Vollbart

Quelle: Star Wars YouTube / The Beginning: Making Star Wars: Episode I The Phantom Menace

George Lucas rechnet mit Hollywood ab: Fokusgruppen und Fanservice ruinieren Filme

Der „Star Wars“-Schöpfer kritisiert Studios, die Testpublikum und Fangemeinden zu viel Bedeutung beimessen. Das Ergebnis sei keine bessere Unterhaltung, sondern kreative Beliebigkeit.

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Von Ahmet Iscitürk

14.07.2026 - 16:02 Uhr

George Lucas hält Hollywoods Abhängigkeit von Fokusgruppen und Fanreaktionen für einen grundlegenden Fehler. Studios könnten einem Testpublikum zwar entnehmen, dass eine Figur oder Szene nicht funktioniere. Statt anschließend nach der Ursache zu suchen, ließen sie die Zuschauer jedoch zunehmend darüber entscheiden, wie der fertige Film aussehen solle.

Was macht George Lucas heute?

Nach dem Verkauf von Lucasfilm an Disney zog sich George Lucas weitgehend aus dem Filmgeschäft zurück. Heute konzentriert er sich hauptsächlich auf das Lucas Museum of Narrative Art in Los Angeles, das er mit Mellody Hobson gründete. Das Museum soll am 22. September 2026 eröffnen und über 40.000 Werke präsentieren, darunter Gemälde, Illustrationen, Comics, Fotografien sowie Requisiten und Entwürfe aus dem Lucasfilm-Archiv.

„Heute dreht sich alles darum, was die Fans denken. So macht man keinen Film“, erklärt der Schöpfer von Star Wars in einem Interview mit dem Filmmagazin A Rabbit’s Foot. Ein Film brauche aus seiner Sicht einen Regisseur, der sein Handwerk beherrsche, eine Geschichte erzählen wolle und eine klare Vorstellung von der Umsetzung besitze.

Studios ziehen aus Kritik die falschen Schlüsse

Lucas lehnt Feedback nicht grundsätzlich ab. Nach eigener Aussage zeigt er seine Filme bis heute ausgewählten Kollegen wie Martin Scorsese, Francis Ford Coppola und Steven Spielberg. Weil er ihre Vorlieben und Vorbehalte kennt, kann er ihre Reaktionen entsprechend einordnen.

Bei anonymen Fokusgruppen fehlt ihm dieser Bezug. Wenn Zuschauer eine Figur ablehnen, kann das auf ein Problem hinweisen. Es sagt aber noch nichts darüber aus, ob die Figur selbst, ihre Funktion in der Geschichte oder lediglich ihre Ausarbeitung nicht überzeugt. Trotzdem reagieren Studios laut Lucas häufig mit massiven Änderungen, streichen die Figur oder schreiben sie um.

Damit verlagert sich die kreative Verantwortung vom Filmemacher auf das Testpublikum. Regisseure und Autoren nutzen das Feedback nicht mehr, um ihre Entscheidungen zu überprüfen, sondern werden gezwungen, den Film an vermeintlichen Publikumserwartungen auszurichten.

Lucas kennt die Forderungen der Fans aus eigener Erfahrung

Die Debatten um Star Wars begleiten Lucas seit Jahrzehnten. Schon beim ersten Film drängten Verantwortliche darauf, C-3PO aus der Geschichte zu streichen. Später gerieten R2-D2, die Ewoks und schließlich Jar Jar Binks bei Teilen des Publikums in die Kritik, weil sie ihnen zu kindlich erschienen.

Lucas widerspricht dabei vor allem der Vorstellung, Star Wars müsse mit seinem ursprünglichen Publikum erwachsen werden. Die Filme seien von Anfang an für Kinder gedacht gewesen. Dass viele Zuschauer die Reihe als Erwachsene weiterhin ernst nehmen, ändere nichts an der ursprünglichen Ausrichtung.

Gerade die Reaktionen auf die Prequel-Trilogie zeigten, wie stark Fanerwartungen eine Filmreihe einengen können. Zuschauer, die mit den ersten Filmen aufgewachsen waren, verlangten von den späteren Teilen ein anderes Werk als jenes, das Lucas drehen wollte. Für ihn bestand die Aufgabe jedoch nicht darin, die Erinnerungen dieses Publikums möglichst genau nachzubauen.

Hollywood vertraute Lucas’ Filmen schon früher nicht

Lucas’ Misstrauen gegenüber den Studios beschränkt sich nicht auf seine Erfahrungen mit Star Wars. Schon sein Regiedebüt THX 1138 stieß bei den Verantwortlichen auf Ablehnung. Auch American Graffiti galt zunächst als schwer vermarktbar. Das Studio erwog zeitweise sogar, den Film nicht ins Kino zu bringen, sondern im Fernsehen auszustrahlen.

Auch bei Star Wars hielt sich das Vertrauen des Studios in Grenzen. Lucas zufolge wollte der Vorstand von 20th Century Fox das Projekt nach einer frühen Vorführung wieder abstoßen. Dass der Film überhaupt entstand, schreibt er vor allem dem damaligen Studiochef Alan Ladd Jr. zu. Dieser habe weniger an das Konzept als an Lucas selbst geglaubt.

Genau dieses Vertrauen vermisst Lucas im heutigen Hollywood. Ungewöhnliche Filme entstehen nicht, wenn Studios jede Entscheidung durch Fokusgruppen, soziale Netzwerke und Fanreaktionen absichern lassen. Sie entstehen, wenn ein Studio einem Filmemacher zutraut, eine Idee umzusetzen, deren Erfolg sich im Voraus nicht berechnen lässt.

Neue Technik ist für Lucas nicht das Problem

Während Lucas den wachsenden Einfluss des Publikums ablehnt, begegnet er technischen Veränderungen deutlich gelassener. Auch künstliche Intelligenz betrachtet er als Werkzeug, das die Filmproduktion vereinfachen und sich langfristig ohnehin durchsetzen werde.

Darin liegt kein Widerspruch. Lucas wendet sich nicht gegen technische Hilfsmittel, sondern gegen die Verlagerung kreativer Entscheidungen. Computer dürfen Bilder erzeugen, Abläufe beschleunigen oder neue Produktionsweisen ermöglichen. Sie sollten jedoch ebenso wenig bestimmen, welche Geschichte erzählt wird, wie eine Fokusgruppe oder eine lautstarke Fangemeinde.