Am 2. März 2027 beginnt die Verhandlung gegen die Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount Skydance. Über 111 Milliarden US-Dollar soll die Fusion kosten. Während viele Rechtsorganisationen den Deal freigegeben haben, reichten zwölf Generalstaatsanwälte der Bundesstaaten Klage ein. Die Writers Guild of America schloss sich dem mit anderen Bedenken an. Nun fordert Paramount Schadensersatz.
1,8 Milliarden US-Dollar als Sicherheit
Paramount schien sich der Übernahme sicher zu sein. Zu sicher, denn fügten sie dem Vertrag eine Klausel hinzu, nach der sie bei einer Verzögerung des Abschlusses eine Entschädigung von sieben Millionen US-Dollar am Tag an die Shareholder bei Warner Bros. bezahlen werden. Vom 1. Oktober 2026 bis zum Prozessstart beläuft sich die Summe so bereits auf 1,2 Milliarden Dollar.
Insgesamt 1,88 Milliarden Dollar, die vermutlich fällige Summe bis zum Ende des Gerichtsverfahrens, sollen die Kläger nun bis zum 30. September als Prozessbürgschaft hinterlegen. Das fordert Paramount in einer Anfrage an die vorsitzende Richterin Araceli Martinez-Olguin.
“[Paramount] beantragt hiermit bei diesem Gericht eine Anordnung zur Änderung der Vereinbarung und der Anordnung zum Aufschub des Abschlusses (Dkt. 170), um die Aufhebung dieser Anordnung zu erwirken, sofern die Kläger nicht bis zum 30. September 2026 eine Bürgschaft in Höhe von 1.884.726.092,73 US-Dollar hinterlegen.”
Paramount verweist auf enorme Verzögerungskosten
Grund dafür seien die “erheblichen Kosten”, die Paramount aufgrund der Verzögerung tragen müsse. In einem Statement gegenüber Variety heißt es: “Heute hat Paramount das Gericht aufgefordert, die gesetzliche Vorschrift durchzusetzen, wonach die Kläger im Zusammenhang mit ihrem anhängigen Rechtsstreit eine Kaution hinterlegen müssen, was uns daran hindert, unsere Fusion mit Warner Bros. Discovery abzuschließen.”
Die Klage läuft unter dem Clayton Act. Darin ist “ausdrücklich vorgesehen, dass Kläger verpflichtet sind, eine Sicherheit zu leisten, die den potenziellen Schaden abdeckt, der durch die Aussetzung einer Transaktion zum Zwecke der Prozessführung entsteht, damit die geschädigte Partei im Falle einer Niederlage über eine Quelle zur Deckung des entstandenen Schadens verfügt.”
Die Summe basiert dabei “auf der einfachen Berechnung der potenziell höchstmöglichen Entschädigungssumme und der Finanzierungskosten aus diesem Rechtsstreit”, heißt es von Unternehmensseite. “Doch dies sind nicht die einzigen Kosten, die durch die Verzögerung entstehen. Aufgrund der Verzögerung des Abschlusses um mindestens acht Monate wird es keine Integration und keine verstärkten Investitionen des fusionierten Unternehmens in Inhalte, Produktion und kreative Talente geben. Darüber hinaus sind natürlich auch die Mitarbeiter sowohl von Paramount als auch von WBD von den durch die Verzögerung verursachten Unsicherheiten betroffen.”
Kläger werten Forderung als Einschüchterungsversuch
Der kalifornische Generalstaatsanwalt Rob Bonta hat stellvertretend für die Koalition der zwölf Bundesstaaten auf diesen Antrag geantwortet: “Paramount und Warner Bros. sind zwei erfahrene Unternehmen, die sich bewusst dafür entschieden haben, eine kostspielige ‘Ticking-Gebühr’ als Klausel in ihren Fusionsvertrag aufzunehmen. Sie wussten, dass diese Fusion einer behördlichen Prüfung unterzogen werden würde; sie wussten, dass die Fusion noch nicht unter Dach und Fach war; und sie haben sich dennoch dafür entschieden, diese Klausel aufzunehmen.”
“Darüber hinaus hat Paramount selbst den Zeitplan festgelegt, gegen den es nun Einspruch erhebt”, fährt Bonta fort, “das Unternehmen hat den Terminen zugestimmt und keine Bürgschaft als Bedingung dafür verlangt, dass der Abschluss erst nach dem Prozess und möglicherweise erst im Juni 2027 erfolgt. Nun versucht es, eine Neuauflage zu erwirken.”
Auf Seiten der Kläger wird argumentiert, dass diese Summe nun als Einschüchterungstaktik verwendet werden soll und potenziell bewirken soll, dass die Klage zurückgezogen wird und die Anhörung nicht stattfindet. Während laut dem Clayton Act Paramount grundsätzlich Anspruch auf eine etwaige Entschädigung hat, muss diese sicherlich auch im Verhältnis stehen. Ansonsten könnten Firmen bei kritischen Fusionen astronomische ‘Ticking-Gebühren’ festsetzen und dann auf diese Regelung pochen, um Klagen abzuweisen.
Dadurch, dass Paramount erst selbst zustimmte, bevor nun der 1,8 Milliarden Dollar-Hammer geschwungen wird, könnte es auch für Richterin Martinez-Olguin nach Einschüchterung aussehen. Bisher wurde aber noch keine Entscheidung getroffen.

