EUPHORIA Staffel 3: Sydney Sweeney steht in einem Garten, trägt die US-Flagge als Oberteil und ihre Haare sind etwas durcheinander.

Quelle: HBO

Sydney Sweeney über das Ende von „Euphoria“: „Ich werde nie zufrieden damit sein, wo Cassie gelandet ist“

Nach dem Finale von Euphoria spricht Sydney Sweeney über Cassies Ende, Rues Tod, Kritik an der Sexualisierung ihrer Rolle und die Frage, warum sie die Figur noch nicht ganz loslassen kann.

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Von Ahmet Iscitürk

11.06.2026 - 09:32 Uhr

Euphoria (2019) ist vorbei, Cassie Howard aber offenbar noch nicht ganz aus Sydney Sweeneys Kopf verschwunden. In einem Gespräch mit Variety sprach die Schauspielerin über das Ende der HBO-Serie, ihre schwierige Beziehung zu der Figur und die Kritik, die sie seit Jahren begleitet. Besonders deutlich wird dabei: Sweeney betrachtet Cassie nicht als abgeschlossenes Kapitel, sondern als Figur, bei der immer noch etwas offenbleibt.

Was ist Euphoria?

Euphoria (2019) ist eine HBO-Serie von Sam Levinson über Jugendliche zwischen Drogen, Sex, Gewalt, Identitätssuche und emotionaler Verwahrlosung. Im Zentrum steht Rue Bennett, gespielt von Zendaya, die nach einem Entzug wieder in alte Muster rutscht. Die Serie wurde für ihren Style, ihre Musik und ihre Darsteller gefeiert, zugleich aber wegen expliziter Inhalte und der Darstellung jugendlicher Sexualität scharf kritisiert. Neben Zendaya gehören Sydney Sweeney, Hunter Schafer, Jacob Elordi, Alexa Demie und Maude Apatow zum zentralen Ensemble.

Auf die Frage, wie es sich anfühle, Cassie nun endgültig loszulassen, erklärte Sweeney, dass dieser Abschied für sie nicht zum ersten Mal komme. Nach jeder Staffel sei unklar gewesen, ob es weitergehe. Deshalb habe sie sich bereits nach Staffel 1 und Staffel 2 von Cassie verabschiedet. Diesmal sei es jedoch anders. „Das ist mein drittes Mal, dass ich mich von ihr verabschiede, und ich habe das Gefühl: Aller guten Dinge sind drei“, sagte Sweeney gegenüber Variety.

In der dritten und finalen Staffel hatte Cassie einen deutlichen Zeitsprung hinter sich. Aus der zutiefst unsicheren Schülerin wurde eine erwachsene Frau, die Nate heiratet, mit finanziellen Problemen konfrontiert wird und schließlich als OnlyFans-Model arbeitet, um Rechnungen und Schulden zu bezahlen. Für Sweeney lag der Reiz offenbar genau darin, diese Lücken zwischen den Staffeln selbst zu füllen. Sie beschrieb es als „coole Herausforderung“ und als eine Art Hausaufgabe, all das zu ergänzen, was zwischen den gezeigten Lebensabschnitten passiert sein könnte.

Besonders viel Aufmerksamkeit bekam eine surreale Szene, in der Cassie wie eine Variante von Attack of the 50 Foot Woman durch Los Angeles stapft und die Männer unter sich dominiert. Sweeney sieht diese Sequenz nicht als reine Provokation, sondern als Zuspitzung von Cassies innerem Zustand. „Die 50-Fuß-Frau ist eine solche Metapher dafür, wo Cassie in ihrem Leben steht“, sagte sie. Cassie wolle alles um sich herum zerstören, um berühmt zu werden, selbst wenn sie daran zerbreche. Für Sweeney war das eine „wilde und spaßige“ Art, Cassies Dilemma sichtbar zu machen.

Wie ein Stück Fleisch

Auch Cassies Ehe mit Nate sieht Sweeney nicht als einfache Liebesgeschichte. Für sie liegt das Problem tiefer. „Ich glaube, dass sie leider nicht weiß, was Liebe ist“, sagte die Schauspielerin. Cassie habe durch ihren Vater kein gesundes Vorbild für Beziehungen gehabt und in der Highschool gelernt, dass Jungen sie vor allem über ihren Körper wahrnehmen. Sweeney formuliert es hart: Cassie werde wie „ein Stück Fleisch“ behandelt. Daraus entstehe eine Figur, die sich selbst nicht richtig respektiere und bei Männern nach den falschen Dingen suche, weil diese bei ihr ebenfalls nach den falschen Dingen suchten.

Trotzdem verteidigt Sweeney die Verbindung zwischen Cassie und Nate nicht völlig als leere Fassade. „Glaube ich, dass sie Nate auf ihre eigene Weise geliebt hat? Ja“, sagte sie. „Glaube ich, dass es aus den richtigen Gründen war? Ja und nein.“ Cassie sei zu tief in diese Beziehung geraten, um noch zu wissen, wie sie wieder herauskommt. Genau darin liegt die Tragik dieser Figur: Sie bekommt scheinbar, was sie immer wollte, nur um festzustellen, dass der Traum innen hohl ist.

Noch klarer wird das in Cassies letztem Moment. Nachdem Lexi gegangen ist, blickt Cassie auf ein gemeinsames Bild von sich und Nate und weint. Für Sweeney ist das kein romantischer Nachhall, sondern ein Gefängnisbild. „Sie ist in ihrem eigenen Puppenhaus gefangen“, sagte sie. „Sie hat scheinbar alles bekommen, was sie wollte, aber sie ist wieder genau an dem Punkt, an dem sie angefangen hat. Und Lexi hat sie dort zurückgelassen.“

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Rue war das Nervenzentrum der Serie

Ein weiterer emotionaler Punkt des Interviews betrifft Rue. Sweeney erklärte, dass die Darstellerinnen und Darsteller nicht alle Drehbücher bekommen hätten, sondern nur ihre eigenen Szenen. Dass Zendayas Figur sterben würde, sei lange bekannt gewesen, nicht aber das genaue Wie und Wann. Als sie das Finale schließlich sah, habe sie es teilweise wie eine Zuschauerin erlebt. „Ich habe geweint“, sagte Sweeney knapp. Mehr braucht es an dieser Stelle auch nicht. Bei Euphoria war Rue nie nur eine Figur unter vielen, sondern das emotionale Nervenzentrum der Serie.

Sweeney sprach außerdem über die Kritik an Cassies Sexualisierung und an ihren eigenen Nacktszenen. Dabei zieht sie eine klare Linie zwischen der Darstellung innerhalb der Serie und dem Umgang mit ihr außerhalb der Serie. „Ich fand es immer interessant, wie Leute kritisieren, wie Cassie in der Serie behandelt wurde, und es dann im echten Leben mit mir machen“, sagte sie. Genau darin liegt einer der unangenehmeren Punkte der Euphoria-Debatte: Die Serie zeigt eine junge Frau, die sexualisiert wird, während Teile des Publikums und der Öffentlichkeit dieselbe Mechanik an der Schauspielerin wiederholen.

Sweeney hofft, dass die Wahrnehmung der Serie mit Abstand differenzierter ausfallen könnte. Sie sagte, vielleicht werde irgendwann jemand zurückblicken und denken: „Vielleicht lagen wir alle damit sehr falsch.“ Das ist keine Abrechnung, aber eine deutliche Erinnerung daran, dass Euphoria immer auch von jenen Mechanismen profitierte, die die Serie zugleich anprangern wollte.

Zufrieden mit Cassies Ende ist Sweeney trotzdem nicht. Oder genauer: Sie will es offenbar nicht sein. „Ich glaube nicht, dass ich jemals zufrieden damit sein werde, wo Cassie gelandet ist, einfach weil ich weiß, dass es noch mehr von Cassies Geschichte zu erzählen gibt“, sagte sie. Für eine Serie, die ihre Figuren oft absichtlich beschädigt zurückließ, ist das ein passender Schlusspunkt.

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