THE SOCIAL RECKONING: Jeremy Strong als Mark Zuckerberg sitzt vor dem US-Kongress.

Quelle: Sony Pictures Entertainment

Hollywood erfindet neue Begriffe, damit Fortsetzungen nicht mehr nach Fortsetzungen klingen

Studios meiden Wörter wie „Sequel“, „Reboot“ und „Remake“. Bekannte Marken bleiben unverzichtbar, sollen sich im Marketing aber möglichst neu anfühlen.

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Von Ahmet Iscitürk

18.06.2026 - 14:09 Uhr

Hollywood hat kein Problem mit Fortsetzungen. Hollywood hat lediglich ein Problem damit, sie so zu nennen. Während Studios weiterhin bekannte Filme neu auflegen, fortsetzen oder aus einem anderen Blickwinkel erzählen, verschwinden Begriffe wie „Sequel“, „Reboot“ und „Remake“ zunehmend aus dem Marketing-Plan. An ihre Stelle treten freundlichere Bezeichnungen wie „Begleitfilm“, „Neuinterpretation“ oder „neues Kapitel“. Der Inhalt bleibt gleich. Nur das Etikett wird laut Variety ausgetauscht.

Was bedeuten Sequel, Reboot und Remake?

Ein Sequel setzt die Handlung eines bestehenden Films fort. Figuren, Ereignisse oder das erzählte Universum bleiben miteinander verbunden. Ein Prequel erzählt eine Geschichte, die zeitlich vor dem ursprünglichen Film spielt. Ein Remake verfilmt eine bereits erzählte Geschichte erneut, meist mit neuer Besetzung und moderner Produktion. Ein Reboot startet eine bekannte Filmreihe neu und kann dabei frühere Handlungen teilweise oder vollständig ignorieren. Ein Spin-off konzentriert sich auf eine Nebenfigur oder einen Teil des bestehenden Universums.

Ein aktuelles Beispiel liefert Sony mit The Social Reckoning (2026). Der Film spielt nach den Ereignissen von The Social Network (2010), beschäftigt sich erneut mit Facebook und bringt mehrere Beteiligte des Originals zurück. Trotzdem bezeichnet das Studio das Projekt nicht als Fortsetzung, sondern als „Comanion Piece“. Aaron Sorkin, der das Drehbuch des ersten Films schrieb, übernimmt diesmal auch die Regie. Jeremy Strong tritt als Mark Zuckerberg an die Stelle von Jesse Eisenberg, selbst der erste Teaser greift die Musik des Vorgängers auf. Inhaltlich ist die Sache damit ziemlich eindeutig.

Hinter dieser sprachlichen Akrobatik steckt eine nachvollziehbare Sorge. Fortsetzungen können beim Publikum den Eindruck erwecken, zunächst mehrere ältere Filme nachholen zu müssen. Ein „Reboot“ klingt wiederum schnell nach dem Eingeständnis, dass die vorherige Version nicht mehr funktioniert. Beim „Remake“ steht der Verdacht im Raum, dass Hollywood eine bekannte Geschichte lediglich noch einmal durch den Fleischwolf dreht.

Kreatives Marketing oder Armutszeugnis?

Die Studios reagieren darauf mit einem stetig wachsenden Wörterbuch der Wiederverwertung. Disney nennt Realverfilmungen seiner Animationsklassiker gerne „Neuinterpretationen“. A24 verwendet denselben Begriff für Curry Barkers neue Fassung von Texas Chainsaw Massacre (1974). Universal vermarktete Twisters (2024) als „neues Kapitel“ des Katastrophenfilms Twister (1996), da die ursprünglichen Hauptdarsteller nicht zurückkehrten. Die Verbindung zum Original bleibt sichtbar, aber unverbindlich genug, um Neueinsteigern nicht das Gefühl zu geben, vor dem Kinobesuch noch Nachhilfe nehmen zu müssen.

Dass sich die Studios von ihren bekannten Marken nur ungern wirklich lösen, zeigte Ballerina (2025). Lionsgate stellte den Film mit Ana de Armas zunächst als möglichst eigenständiges Projekt vor. Doch das Publikumsinteresse und die frühen Prognosen fielen so schwach aus, dass das Studio den Titel um „Aus der Welt von John Wick“ ergänzte. Damit war die Verwandtschaft plötzlich wieder willkommen. Eigenständigkeit verkauft sich eben besser, wenn der Name der erfolgreichen Marke gut sichtbar danebensteht.

Auch Zahlen verschwinden zunehmend aus Filmtiteln. Paramount entschied sich gegen Top Gun 2 und nannte die Fortsetzung stattdessen Top Gun: Maverick (2022). Damit sollte vermieden werden, dass sich Zuschauerinnen und Zuschauer ohne Kenntnis des Originals ausgeschlossen fühlen. Der fünfte Scream-Film erschien 2022 schlicht als Scream. Erst nach dem erfolgreichen Neustart kehrte die Reihe mit Scream VI (2023) und Scream 7 (2026) wieder zur offenen Nummerierung zurück. Sobald die Marke erneut stabil steht, darf offenbar auch das Zählen wieder beginnen.  

Gen Z: Fortsetzungen unerwünscht?

Eine 2024 veröffentlichte Untersuchung der National Research Group kam zu dem Ergebnis, dass 75 Prozent der befragten Angehörigen der Generation Z originäre Stoffe gegenüber Remakes und Franchise-Filmen bevorzugen. Gleichzeitig zählt diese Altersgruppe inzwischen zu den aktivsten Kinobesucherinnen und Kinobesuchern. Die Studios können sie daher weder ignorieren noch allein mit dem Namen einer jahrzehntealten Marke ins Kino locken.  

Das bedeutet allerdings nicht, dass Hollywood plötzlich auf Fortsetzungen verzichtet. Filme wie Toy Story 5 (2026) oder Der Teufel trägt Prada 2 (2026) tragen ihre Nummer weiterhin offen im Titel, weil der Zusammenhang ohnehin nicht zu verbergen ist. Andere Produktionen arbeiten dagegen mit Untertiteln, neuen Figuren oder kunstvoll gewählten Begriffen, um gleichzeitig vertraut und trotzdem möglichst unbelastet zu erscheinen.

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