Amazon MGM hat sich vollständig aus Luca Guadagninos Film über OpenAI-Chef Sam Altman zurückgezogen. Auch Netflix, A24, Focus Features und Warner Bros.’ Clockwork verzichteten darauf, sich die Vertriebsrechte zu sichern.
Worum geht es in Artificial?
Artificial rekonstruiert den Machtkampf bei OpenAI im November 2023. Im Zentrum steht die überraschende Entlassung von Firmenchef Sam Altman durch den Verwaltungsrat und seine Rückkehr nur wenige Tage später. Der Film beginnt aus der Perspektive von OpenAI-Mitgründer Ilya Sutskever, bevor der Konflikt um Kontrolle, Einfluss und die Zukunft des Unternehmens eskaliert.
Ganz ohne Interessenten ist Artificial allerdings nicht. Mubi bemüht sich laut Variety derzeit um den Film. Auch Neon soll eine Veröffentlichung prüfen. Eine Vereinbarung gibt es bislang mit keinem der beiden Unternehmen. CAA Media Finance, die Guadagnino vertritt, hat Artificial in den vergangenen Tagen mehreren potenziellen Verleihern gezeigt.
Dabei handelt es sich nicht um ein Projekt, das noch Jahre von seiner Fertigstellung entfernt ist. Artificial befindet sich bereits in der letzten Phase der Postproduktion und soll rund 40 Millionen US-Dollar gekostet haben. Amazon MGM hatte den Film entwickelt und ursprünglich für Anfang 2027 eingeplant. Nach dem vollständigen Rückzug des Studios ist dieser Termin hinfällig.
Andrew Garfield spielt Sam Altman. Das Drehbuch von Simon Rich rekonstruiert die Führungskrise bei OpenAI im November 2023. Der Verwaltungsrat entließ Altman damals als CEO, bevor er nur wenige Tage später an die Spitze des Unternehmens zurückkehrte. Der Beginn des Films konzentriert sich auf OpenAI-Mitgründer Ilya Sutskever, gespielt von Yura Borisov. Anschließend rückt der Machtkampf innerhalb des Verwaltungsrats in den Mittelpunkt.
Auch Elon Musk spielt eine Rolle
Monica Barbaro übernimmt die Rolle der damaligen Technikchefin Mira Murati, während Ike Barinholtz Elon Musk spielt. Außerdem gehören Cooper Hoffman, Jason Schwartzman, Cooper Koch, Billie Lourd, Zosia Mamet, Chris O’Dowd und Mark Rylance zur Besetzung. Variety beschreibt den Film als eine Art The Social Network für das Zeitalter der künstlichen Intelligenz.
Warum Netflix, A24 und die übrigen Interessenten von den Vertriebsrechten Abstand nahmen, bleibt offen. Branchenkreisen zufolge zeichnet der Film allerdings ein wenig schmeichelhaftes Bild seiner Hauptfiguren: Altman soll als pathologischer Lügner erscheinen, Musk als ausgesprochen unsympathischer Zeitgenosse.
Auffällig bleibt der Zeitpunkt des Rückzugs von Amazon MGM. Wenige Monate zuvor hatte der Mutterkonzern angekündigt, im Rahmen einer mehrjährigen Cloud-Partnerschaft bis zu 50 Milliarden US-Dollar in OpenAI zu investieren. Ein Film, der Sam Altman womöglich wenig schmeichelhaft darstellt, kommt da zumindest ungelegen. Amazon MGM bestreitet dennoch jeden Zusammenhang. Der Film sei bei einem anderen Studio besser aufgehoben, der Inhalt habe bei der Entscheidung keine Rolle gespielt.
Weitere Verstrickungen
Auch A24 ist über Thrive Capital mit OpenAI verbunden. Der Investor gehört zu den wichtigsten Geldgebern des KI-Unternehmens und sitzt zugleich im Verwaltungsrat des Filmstudios. Das ist natürlich kein Beweis für Einfluss auf die Entscheidung. Es macht dennoch deutlich, wie schwer es ein kritischer Film über die Tech-Elite hat, wenn deren Investoren längst auch in Hollywood mit am Tisch sitzen.
Mubi wäre für Guadagnino kein neuer Partner. Das Unternehmen veröffentlichte Queer (2024) in mehreren Ländern, brachte Suspiria (2018) in Großbritannien ins Kino und sicherte sich die weltweiten Rechte an seinem Kurzfilm The Staggering Girl (2019). Zudem sprang Mubi bereits bei The Substance (2024) ein, nachdem Universal den Film nicht veröffentlichen wollte.
Ursprünglich war für Artificial eine Premiere beim Filmfestival South by Southwest vorgesehen. Dieser Plan erledigte sich mit Amazons Ausstieg. Sollte sich Mubi die Vertriebsrechte sichern, könnte der Film stattdessen bei den Filmfestspielen von Venedig gezeigt werden.

