Peppa Wutz (2004) springt seit mehr als 20 Jahren durch Matschpfützen. Nun steckt die Kinderserie in einem Streit, der deutlich weniger harmlos ist. Hasbro soll minderjährigen Sprechern Verträge vorgelegt haben, die dem Konzern erlauben, ihre Stimmen mithilfe künstlicher Intelligenz für sämtliche kommerziellen Inhalte innerhalb des Franchises zu verwenden.
Das fordert der offene Brief
Kinderstimmen sollen grundsätzlich von KI-Klauseln ausgenommen werden. Eltern sollen keine pauschalen und unbefristeten Rechte zur Speicherung, Nachbildung oder Wiederverwendung erteilen können. Ein digitales Stimmenmodell dürfe nicht entstehen, bevor die betroffene Person alt genug ist, die beruflichen und persönlichen Folgen selbst einschätzen zu können.
Der Fall wurde durch einen offenen Brief bekannt, den Schauspieler, Agenten, Eltern und weitere Branchenvertreter am 22. Juni 2026 veröffentlichten. Darin ist von einem großen Studio die Rede, das die KI-Klausel trotz entsprechender Forderungen nicht aus den Verträgen entfernen wollte. Den betroffenen Familien sei die Vereinbarung faktisch nach dem Prinzip „akzeptieren oder verzichten“ angeboten worden. Inzwischen haben fast 1.000 Menschen den Brief unterzeichnet.
Im Mittelpunkt steht eine Frage, die bei erwachsenen Schauspielern bereits kompliziert genug ist: Wer darf über eine Stimme verfügen, wenn daraus eine künstlich erzeugbare Kopie entsteht? Bei Kindern kommt hinzu, dass sie die langfristigen Folgen einer solchen Entscheidung kaum selbst beurteilen können. Die Unterzeichnenden fordern deshalb, Kinderstimmen vollständig von jeder KI-Nutzung auszunehmen. Eltern dürften nicht pauschal erlauben können, dass die Stimme ihres Kindes aufgezeichnet, geklont, zum Training verwendet und später unbegrenzt wiederverwertet wird.
Es ist kompliziert
Brisant wird der Fall durch Hasbros eigene KI-Offensive. Erst Anfang Juni gründete das Unternehmen mit Sixth Wall ein Studio für KI-gestützte Charaktere und schloss eine Partnerschaft mit dem Sprachspezialisten ElevenLabs. Das Unternehmen verspricht autorisierte Aufnahmen, eine Beteiligung der Sprecher und zunächst nur Angebote für Menschen ab 13 Jahren. Produkte für jüngere Kinder seien derzeit nicht geplant.
Sollte die im offenen Brief kritisierte Vertragsklausel tatsächlich greifen, gerät dieses Versprechen allerdings ins Wanken. Eine Einwilligung schützt wenig, wenn ein Kind die Rolle nur erhält, indem seine Eltern zugleich einer umfassenden KI-Nutzung zustimmen. Dann wird aus Zustimmung keine Absicherung, sondern eine Zugangsvoraussetzung.
Für Peppa Wutz ist künstliche Intelligenz ohnehin kein Zukunftsthema mehr. Seit 2025 bietet Cameo Kids personalisierte Peppa-Videos an, deren Stimme mithilfe einer als kindgerecht beworbenen KI-Technologie erzeugt wird. Hasbro-Chef Chris Cocks erklärte zudem im März 2026, dass interne KI-Versionen von Peppa und Optimus Prime bereits bei der Entwicklung neuer Produkte helfen. Die Technologie ist bei Hasbro längst keine Spielerei mehr, sondern Teil der Geschäftsstrategie.
In seinen offiziellen KI-Grundsätzen bezeichnet Hasbro die Sicherheit von Kindern als nicht verhandelbar. Genau daran muss sich der Konzern nun messen lassen.

