Dieses Bild zeigt die Logos von itv und Sky. Dazwischen sieht man ein Handschlag-Icon.

Quelle: Open AI / ChatGPT

Sky will ITV-Sparte kaufen: Was der Milliarden-Deal für deutsche TV-Fans bedeutet

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Von Ahmet Iscitürk

07.07.2026 - 08:34 Uhr

Sky möchte einen großen Teil des britischen Fernsehmarkts neu sortieren. Die Comcast-Tochter hat sich mit ITV auf den Kauf von dessen Medien- und Unterhaltungsgeschäft geeinigt. Der Deal hat einen Wert von bis zu 1,6 Milliarden Pfund, umgerechnet rund 2,13 Milliarden Dollar. Er umfasst unter anderem die frei empfangbaren ITV-Sender und die Streamingplattform ITVX.

Was bleibt bei ITV?

ITV Studios bleibt von dem Sky-Deal unberührt und wird als eigenständiges Produktionsunternehmen fortgeführt. Genau hier liegt der internationale Fokus von ITV: Die Sparte ist für die Produktion und den Vertrieb von Serien, Shows und Formaten weltweit zuständig. Für deutsche Zuschauer hätte der Deal daher größere Auswirkungen gehabt, wenn auch ITV Studios verkauft worden wäre.

Nicht Teil der Übernahme ist ITV Studios, also die Produktionssparte hinter Formaten wie Love Island, I’m a Celebrity… Get Me Out of Here! und Serien wie Rivals. ITV zieht sich damit nicht komplett aus dem Geschäft zurück, sondern trennt sich vor allem vom Sender- und Werbegeschäft. Künftig soll das Unternehmen stärker als eigenständiger Produzent und Rechtehändler auftreten.

Abgeschlossen ist die Sache noch nicht. Die Transaktion muss erst von den zuständigen Behörden geprüft werden. Der Abschluss wird derzeit für die zweite Jahreshälfte 2027 erwartet. Genau dort dürfte es noch knirschen, denn Sky und ITV würden in Großbritannien zwei der wichtigsten kommerziellen TV-Marken zusammenführen.

Sky verspricht, ITV nicht hinter eine Bezahlschranke zu verschieben. Die frei empfangbaren Sender und ITVX sollen erhalten bleiben, auch die öffentlich-rechtlichen Verpflichtungen von ITV sollen weiterlaufen. Dazu gehören Nachrichten und regionale Informationsangebote. ITV News und Sky News sollen zudem getrennte Marken bleiben. Dass die Aufseher trotzdem genau hinsehen werden, ist keine Überraschung.

Was bedeutet der Deal eigentlich?

Im Kern geht es um Größe. Klassisches Fernsehen, lokale Streamingdienste und werbefinanzierte Mediatheken konkurrieren längst nicht mehr nur miteinander. Sie stehen gegen Netflix, Prime Video, Disney+ und YouTube, also gegen Plattformen mit gigantischer Reichweite und gigantischen Budgets. Sky und ITV wollen in Großbritannien deshalb Kräfte bündeln: mehr Reichweite, bessere Technik, stärkere Werbevermarktung und mehr eigene Inhalte.

Auch ITV Studios profitiert von diesem Deal. Sky hat sich verpflichtet, zwischen 2028 und 2032 mindestens 2,1 Milliarden Pfund bei ITV Studios auszugeben. Damit bleibt die Produktionssparte für die neue Sendergruppe wichtig, kann aber weiterhin auch für andere Plattformen und Sender arbeiten. Genau das ist der entscheidende Punkt: Sky kauft vor allem den Zugang zum britischen Publikum, nicht die komplette Produktionsmaschine von ITV.

Hat das Auswirkungen auf Deutschland?

Für deutsche Film- und Serienfans ändert sich zunächst wenig. Der Deal betrifft ITVs britische Sender und ITVX, nicht automatisch den deutschen Markt. Noch wichtiger: Sky Deutschland gehört seit dem 1. Juni 2026 zu RTL. Damit ist der britische ITV-Deal kein direkter Programmhebel für Sky, WOW oder RTL+ in Deutschland. Wer also auf eine plötzliche ITV-Bibliothek bei WOW hofft, sollte die Erwartung bremsen.

Indirekte Folgen sind trotzdem möglich. ITV Studios bleibt ein internationaler Produzent und Rechtehändler. Wenn die Produktionssparte durch den neuen Vertrag mit Sky finanziell stabiler planen kann, könnte das langfristig auch die Menge und Sichtbarkeit britischer Formate erhöhen.

Lokale Medienkonzerne versuchen überall auf der Welt, gegen globale Plattformen wieder Größe aufzubauen. In Deutschland ist mit der Übernahme von Sky Deutschland durch RTL gerade etwas Ähnliches passiert, nun bekommt Großbritannien seine eigene Variante. Die Vorteile liegen auf der Hand, es kann aber auch dazu führen, dass noch mehr Inhalte in noch größeren Konzernstrukturen verschwinden.